You are hereEinohrbill & Kidwitdegun Interview
Einohrbill & Kidwitdegun Interview
In der Frankfurter Innenstadt haben wir uns mit den beiden Musikern Einohrbill und KIDWITDEGUN getroffen. Geredet wurde über das neue und das alte Album, die Schwierigkeit, Musik in eine Schublade zu packen, und die Zukunftsaussichten der beiden Frankfurter, die vollkommen unterschiedliche, musikalische Prägungen haben, aber schlussendlich doch zusammengefunden haben. Zmint, der das Trio komplettieren würde, konnte leider nicht mit am Start sein.
Erzählt doch mal wo ihr musikalisch herkommt.
Einohrbill: Ich bin gebürtiger Frankfurter und komme aus dem Stadtteil Sossenheim. Ich habe in ganz frühen Jahren damit begonnen, Gitarre zu spielen und habe auch heute noch viele Instrumentale Einflüsse aus dieser Zeit mitgenommen. Irgendwann mutierte das zu Heavy-Metal und zwar so richtig mit Kutte, Weste und Mettalica Buttons (lacht). Das ging so bis ich 14 war, mittlerweile bin ich 30. Ich habe auch zu dieser Zeit immer noch Rock und Metal gehört, aber mein Repertoire hatte sich ein wenig erweitert und es ging dann auf zum Hip-Hop. Ich habe damals noch keine eigenen Texte geschrieben, das fing erst richtig mit 19 an und davor gab es einige Pausen, weil nie die richtigen Leute dabei waren. Am Ende haben sich dann aber Sebi und ich uns 2003 gefunden. Es folgten einige Auftritte deutschlandweit und auch in Polen, verbunden mit einem Projekt.
Kidwitdegun: Ich werde geistermäßig von den alten Kinderkassetten verfolgt, die ich ganz lange gehört habe (lacht). Ich habe früher sehr viel Radio gehört und bin dadurch dann zum Hip-Hop gekommen und habe dann, ganz trichtermäßig, eigentlich ausschließlich New-York Underground gehört und mich eigentlich erst seit ein paar Jahren wieder für anderes geöffnet. Bin aber jetzt an dem Punkt, wo ich musikalisch gar nichts ausschließen möchte. Ich liebe es aufzulegen, wobei ich momentan viel mehr Beats mache.
Wie kommt eigentlich der Name Einohrbill zustande?
Einohrbill: Es liegt zum einen daran, dass ich eine Behinderung und eben nur ein Ohr habe. Als Kind wurde ich immer mit dem Namen Einohrbill aufgezogen und dann habe ich das irgendwie übernommen. Das lustige ist, dass ich irgendwann von einem Kind während eines Workshops darauf angesprochen worden bin und ich so erfahren habe, dass Einohrbill auch bei den „Fünf Freunden“ vorkommt, in der Folge „Am Leuchtturm“ gibt es einen Piraten der auch Einohrbill heißt (lacht).
Wenn man sich eure Musik anhört, kann man deutliche Einflüsse des Rap hören, es sind aber auch ganz andere Töne dabei, so wie zum Beispiel typischer Singer-/Songwriter Stuff. Würdet ihr euch trotzdem dem Hip-Hop Genre zuordnen?
Einohrbill: Ich merke immer öfters, dass ich fehl am Platz bin, darüber habe ich auch einen Song geschrieben. Meinem Alter entsprechend kann ich mich einfach nicht mehr in solche Klischees einbinden. Musik ist Musik und da kann Reggae, Funk, R’n’B, oder aber auch ein Rap Song entstehen. Die Schreibweise vom Rap behält man bei, aber wenn man es ein wenig ummodelt, hat man Rock. Im Endeffekt ist ja Rap auch durch den Rock, durch den Soul, durch den Funk etc. entstanden.
Kidwitdegun: Wir nutzen die guten Seiten des Rap, die Energie, die Beats und den Spaß und verschwenden keine Zeit, uns da irgendwo einzuordnen. Wenn man es vom Hip-Hop Standpunkt aus sieht, sind wir bestimmt zu breit aufgestellt, schaut man es sich aber von einem allgemeinem musikalischen Standpunkt aus an, sind wir schon sehr in der Hip-Hop Ecke.
Ihr wart vor kurzem bei dem Masta Ace Auftritt im Sinkkasten dabei, wie ist es gewesen?
Einohrbill: Da wurden wir abgespeist. Veranstalter meinen ja immer noch, Einohrbill wäre es nicht wert, kurz vor dem Hauptact zu spielen, aber die Leute wurden eines besseres belehrt. Die Stimmung hat bei uns gekocht und die Resonanz war gut. Alles in allem war Masta Ace aber ein voller Erfolg, leider kommt man mit den Künstlern nicht immer so ins Gespräch, weil die abgeschottet werden, oder sich von allem distanzieren. Es war auf jeden Fall schön, ein so anspruchsvolles Publikum zu haben.
Kidwitdegun: Es waren auch wirklich viele junge Leute da, die abgefeiert haben, obwohl es ja wirklich schon Oldschool ist. Es war richtig gut und ein fetter Auftritt.
Wie kamt ihr dazu, Vorgruppe für Masta Ace zu machen?
Einohrbill: Das lief über Time2Bomb. Mit den Jungs haben wir regelmäßig Kontakt und immer wenn was anfällt, wo wir reinpassen könnten, bekommen wir Bescheid. In dem Fall von Masta Ace haben wir dann natürlich nicht Nein gesagt.
Ihr arbeitet ja auch mit thenk von Def Pro zusammen.
Einohrbill: So kam das ganze ja eigentlich zustande, dass ich ihn angerufen habe und fragte, ob er mit mir und meiner Musik was anfangen kann. Er hat dann auf jeden Fall Potential gesehen und nach einem ersten Treffen hat es sich so ergeben, dass wir angefangen haben, eine Internetseite zu erstellen und alles in Sachen Promo zu machen um dann einen Labelvertrag zu bekommen. Dank thenk wird es dann 2010 wohl soweit sein.
Kidwitdegun: Es hat mit dem Geschäftlichen angefangen, aber ich denke, es wird eine Freundschaft. thenk ist einfach ein cooler Typ.
Frankfurt ist ja dafür bekannt im Hip-Hop Bereich eher die harte Schiene zu fahren und auf Straßensound zu setzen. Wie stellt es sich für euch dar? Ist es da als Frankfurter von Vorteil, ein wenig anders zu sein?
Kidwitdegun: Es ist ja nicht so, dass wir das berechnen. Wir schauen allerdings schon, wo wir bei welcher Show reinpassen und mit was für Art von Musik wie ein wenig auffallen. Aber es gibt genug Leute in Frankfurt, die auch andere Musik hören und machen, es aber vielleicht nicht so nach außen kehren. Ich denke aber schon, dass wir ein Teil des Ganzen sind.
Einohrbill: Aber anders. Durch dieses Auffallen entstehen aber auch die Sounds.
Stimmt es euch hoffnungsvoll, trotz aller Labelschließungen, dass ihr mit der Musik tatsächlich euren Lebensunterhalt verdienen könnt?
Einohrbill: Auf jeden Fall. Das waren alles Straßen-Labels und die Kids die das hören rangieren in der Altersklasse 10 bis 18. Da hat man kein Geld, also wird runtergeladen. Wenn Du Dir aber Labels wie Four Music anschaust, die gehen nicht pleite. Mich stimmt das auf jeden Fall positiv. Im Prinzip spricht aber auch nichts gegen Ghettomusik und vielleicht hätte unsere Musik auch in diese Richtung gehen können, aber leider sind wir keine Ghettokinder. Von daher haben wir vielleicht auch ein bisschen was anderes zu erzählen.
Wie kam eigentlich der Titel des letzen Albums „Rappst Du noch oder singst Du schon?“ zustande?
Einohrbill: Für solche Titel ist der Sebi Spezialist (lacht).
Kidwitdegun: Der Titel hat sich eigentlich von selbst ergeben. Immer wenn Du denkst, er rappt, singt er gerade, und immer wenn Du denkst, er singt, dann rappt er. Einbohrbill hat mit seinem Kollegen Zmint eine ganz eigene Art gefunden zu rappen, zu singen und das Ganze zu verbinden. Daher war der Titel nur konsequent und auch der Beste den wir hatten.
Einohrbill: Es hat wirklich gepasst wie die Faust aufs Auge. Wobei man ja sagen muss, dass „Rappst Du noch oder singst Du schon?“ kein wirklich großartiges Konzeptalbum war. Es gab einige Songs, die wurden zusammengeworfen und dann geschaut, welche am besten aufs Album passen. Aber nach mittlerweile zwei Jahren denkt man sich auch, dass man das eine oder andere hätte besser machen können, aber ich denke, das ist normal als Künstler. Da sind auf jeden Fall Welten zwischen dem alten Album und dem, was jetzt irgendwann kommen wird.
Gibt es denn schon was zum neuen Album zu erzählen?
Einohrbill: Neun Songs sind von einem Produzenten aus Wiesbaden und der Rest ist querbeet verteilt. Einige zum Beispiel von Kidwitdegun und ein paar andere von DJ Fuji, aber da muss man einfach mal schauen, ob die auch alle auf das Album kommen. Insgesamt haben wir schon so um die 20 Songs zusammen.
Ist jetzt schon der Punkt erreicht zum aussortieren?
Einohrbill: Noch lange nicht. Gerade jetzt habe ich wieder zwei Beats bekommen und mittlerweile bin ich da auch recht schnell geworden. Es kommt aber auch einfach nicht mehr darauf an zu schauen, ob es bestimmten Personen gefällt oder ob es jetzt der Super-Doppelreim oder nur der 0815-Doppelreim ist.
Es muss mir einfach gefallen.
Kidwitdegun: Wir wissen noch nicht, was genau das für ein Album wird, aber es zeichnet sich schon jetzt durch schöne Beats aus, die ein tolles Live-Feeling haben. Es ist schon eine schöne Anzahl an Songs vorhanden, aber bis das jetzt was wird, werden wir schauen, ob wir noch was finden, das passt, und es dann vielleicht mit auf das Album nehmen.
Gibt es schon eine Idee wann es rauskommen soll?
Einohrbill: In erster Linie müssen wir erst mal entscheiden welche Songs wir abmischen und dann auf das Demo für die Labels kommen. Bevor wir jetzt wieder ein Album raushauen mit Vertriebssuche und alles was dazugehört, werden wir erst mal die Schiene fahren. Pressemappe und alles drum herum haben wir schon und jetzt geht es eigentlich nur noch darum, drei Songs auszusortieren und entsprechend verschicken. Danach können wir dann drüber reden, was auf das Album kommt.
Kidwitdegun: Es sind auch einfach schöne, zeitlose Songs und wir sind nicht unbedingt darauf angewiesen, die jetzt sofort rauszuhauen. Wenn es nicht ankommen sollte, dann bringen wir sie halt raus und gehen den nächsten Schritt, aber ob es rauskommt ist jetzt gar nicht mehr so sehr in unserer Hand.
Gibt es schon was zu Features zu erzählen, die bei den bisherigen Songs mitgewirkt haben?
Kidwitdegun: Ein paar wenige Features, obwohl es mehr als früher sind. Der Fokus liegt aber klar auf Einohrbill. Es gibt aber ein paar freundschaftliche Features.
Einohrbill: Als Künstler muss man ja auch immer zeigen was man kann. Ich empfinde es halt als ein Armutszeugnis ein Album mit zwölf Songs zu machen, auf dem dann acht davon Features sind. Das ist halt mager und ich habe ja in einem Song mehr zu erzählen als nur eine Strophe.
Wer gehört denn zu den freundschaftlichen Features?
Einohrbill: Salone von Ring frei ist dabei. Ein großer, gestandener Mann, der total in unser Bild passt. Er hat einfach eine Stimmfarbe, die zu uns passt. Als er bei Masta Ace das erste Mal mit uns aufgetreten ist, klang der Chorus wie vom Band. Der unterstützt uns ab sofort und es ist unsere Entscheidung. Wenn er will, dann muss er dabei sein. Rafi Schmauch ist dabei. Mr. Marius von Non Plus Ultra, ebenso wie mein Backuppartner Zmint, der eigentlich immer mit dabei ist. Er ist eigentlich auch der einzige, mit dem ich regelmäßig gemeinsam Lieder schreibe. Wir machen schon von Anfang an gemeinsam Musik. Schon in der Beatzschmiede, was vielleicht dem einen oder anderen ein Begriff ist. Da ist einiges zustande gekommen, was, wenn es kein Einzug auf Album erhält, auf jeden Fall als Download EP veröffentlicht wird.
Dann danke ich euch für die Zeit und freue mich darauf mehr von euch zu hören.
Einohrbill: Top. Danke!
Kidwitdegun: Danke.
Interviewpartner: Andreas Schnell
Bilder: Einorhbill

nicht mein stil von mucke aber gutes interview.
guter mann.
die beatzschmiede, wie krass. is schon lange her. war übrigens bei dem masta ace auftritt und muss sagen das es stimmt. die jungs waren schon gut aber von ace war ich ein wenig enttäuscht.
Echt cooler Typ. Vor allem ist die Mucke mal nicht so ein 0815-Einheitsbrei. Erinnert mich ein bisschen an das neue Zeug von Denyo wobei ich ehrlich gesagt den Kram von Einohrbill besser finde, zumindest was ich bisher gehört habe.
Gibt es denn bald auch was neues zu hören. Vielleicht das eine oder andere Exklusive?
Doh!
Vielen Dank und Gruß von Einohrbill und mir. Cool zu wissen, dass Ihr die Mühe schätzt!
ich poste immer viele Beats auf MySpace und Einohrbill hat auch auf seiner Seite aktuelle Songs und Exclusives. Einfach mal vorbeischauen..
Ansonsten einfach auf die nächsten Auftritte kommen :) Da wird Material gespielt, das vielleicht erst im Sommer rauskommt!
Cooles Ding.
Wo habt ihr denn die nächsten Auftritte? Tretet ihr eigentlich immer im Duo auf oder besser gesagt als Trio mit Zmint?
Doh!
Wir sind immer als Trio unterwegs. Ich mache nebenbei noch mit meinem Partner Jongsn Musik. Wir nennen uns die Spurensöhne! Mit diesen ganzen Jungs wird man mich die nächste Zeit auftreten sehen.. zum Beispiel am 29. Jan in Gießen im AK44, da sind alle am Start.
Auch geil wird unsere Show in der Halbzeit der Basketballmannschaft Deutsche Bank Skyliners am 6. Februar in FFM Höchst! Das wird äußert lecker! Freikarten sind zu haben.. schreibt uns einfach auf myspace an