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D-Flame Interview
„Stress“ ist ja nun schon einige Zeit draußen. Wie glücklich bist Du im Nachhinein noch damit?
D-Flame: Es war einfach ein neuer Schritt gewesen. Die erste Indipendent-Platte und ich bin immer noch glücklich damit, obwohl ich ehrlich gesagt meine Platten nie allzu lange feiere. Ich bin schon froh das ich sie gemacht habe aber ich versuche immer nach vorne zu blicken und die Fehler die gemacht worden sind genauer zu analysieren.
Das heißt im Großen und Ganzen passt es schon?
D-Flame: Ja, man muss dazu ja auch sagen das ich zu dem Album 3 Videos gemacht habe, alle indipendent, wo Majors gesagt haben das sowas heutzutage nicht mehr geht. Die waren nicht alle Major-mäßig aber die Ideen von den Videos waren cool und da MTV und Viva heutzutage ohnehin keine Musik mehr spielen, hat das schon gepasst.
Du kostet das ganze Album auch länger aus, oder?
D-Flame: Generell haben Alben ja heute gar keine Zeit mehr zu wirken. In der Woche kommen ja zehn neue Alben oder mehr raus, dann pickt man sich seinen Lieblingssong bei iTunes und hört sie sich an. Alben haben aber einen Zusammenhang und man kann sich nicht nur ein Stück raushören, man muss das Gesamtpaket betrachten. Wenn Du Dir ein Bild von Picasso anschaust, schaust Du ja auch nicht nur auf die Ecke oben rechts. Mir war es wichtig, dass das Album einfach ein wenig länger wirkt.
Einige Songs auf „Stress“ sind ja auch aus dem typischen Hip-Hop ein wenig ausgebrochen, wie zum Beispiel „Es tut mir leid“.
D-Flame: Ein Song wie „Es tut mir leid“ hätte ich aber auch vor einigen Jahren nicht gemacht. Auf dem Album habe ich mir einiges erfüllt, was ich schon immer mal ausprobieren wollte. Typisches Hip-Hop in diesem Sinne gibt es auch nicht. Jemand der sagt das Hip-Hop Grenzen hat, der ist einfach kein Hip-Hop. Das hat einmal Grandmaster Flash gesagt, also jemand der lang genug dabei ist (lacht). Wenn du heutzutage Hip-Hop in den Mund nimmst geht es gleich um Bushido, Sido, dissen und all so was. Für mich war das nie Hip-Hop, eher Wildstyle und Beatstreet. Es ging darum raus aus der ganzen Scheiße zu kommen und das eben nicht als Basketballspieler oder wie hier in Deutschland als Fußballspieler, sondern als Musiker. Gangster-Rap gehört bestimmt auch dazu aber früher war es immer nur ein kleines Stück von dem Kuchen und leider hat es sich in Deutschland so entwickelt, das es der ganze Kuchen ist. Viele gute Musiker wurden in diesem Prozess vergessen.
Du arbeitest ja gerade an Deinem neuen Album. Wie wird der Sound sein?
D-Flame: Das nächste Album wird auf jeden Fall ein puristisches Dancehall-Album sein. So das man auch live mit der Band abgehen kann. Balladen machen Spaß im Studio aber live bringen die nichts, wenn du es nicht umsetzten kannst, zum Beispiel mit einem Bläsersatz, Backgroundgesang und Streichern. Daher ist es für mich wichtig wieder mal ein Album zu machen, mit dem ich mit Feuer auf die Bühne gehen kann.
Kannst Du ansonsten noch ein bisschen was zu Deinem neuen Album erzählen?
D-Flame: Es wird wiegesagt Dancehall-Reggea lastig sein und vielleicht kommen noch eins oder zwei Root-Tunes mit rein. Es wird Feuer (lacht). Ich weiß das sage ich öfters aber dieses Mal achte ich besonders darauf, dass es live abgeht. Letztes Jahr auf der Summer-Jam hatte ich ein besonderes Erlebnis, bei dem ich keine Namen nennen will. Es waren einige deutsche Reggea-Künstler da, allerdings auch einige jamaikanische bei denen ich mir gedacht habe: „Ihr steht hier vor 10.000 Leuten auf der Bühne und bietet den Leuten nichts außer eine sehr langweilige Show.“ Man konnte sehen, dass sich selbst die Musiker auf der Bühne gelangweilt haben. Ich habe in diesem Moment auf jeden Fall zu mir selbst gesagt, dass, so Gott will und ich nächstes Jahr die Chance habe wieder da zu sein, den Leuten auf jeden Fall eine geile Show abliefern werde. Ich habe schon so oft von meiner jamaikanischen Familie auf die Finger gehauen bekommen und sie gesagt haben das ich doch auch mal was machen soll das sie verstehen, dass ich auch noch nicht sagen kann ob das Album nur in Deutsch sein wird.
Hast Du schon einen Veröffentlichungstermin angepeilt?
D-Flame: Ich denke es wird Frühjahr. Wir sind jetzt bei 25 Songs aber das kann sich noch rapide nach oben bewegen. Irgendwann wird dann aber krass geschnitten und aussortiert. Ich bin auch niemand der nur Musiker entscheiden lässt, sondern spiele Songs auch durchaus mal meiner Mutter vor oder Menschen die einfach nur Musik genießen.
Kannst Du was zu Features und Produzenten sagen?
D-Flame: (lacht) Zu Features sage ich ungern was aber es wird sehr international und einige Überraschungen geben. Es ist auch jemand aus dem Hamburger Raum drauf mit dem ich schon länger nichts mehr gemacht habe, der mir aber sehr wichtig ist.
Auf „Stress“ gab es ja auch Features mit Scola und ich kann mich erinnern das im Gespräch war, das er eventuell bei Souljah-Music unterkommen kann. Hat sich da was ergeben?
D-Flame: Bei den Amerikanern ist es so, dass sie hier sind und eine Sache erzählen, dann wieder über dem Teich sind und was ganz anderes im Kopf haben (lacht). Leider ist da nichts draus geworden aber wir sind weiterhin in Kontakt. Natürlich ist es auch so, dass ein Künstler der schon Mal bei einem Riesen Label gesigned war auch gerne wieder dahin möchte. So was kann ich ihm her mit den deutschen Möglichkeiten natürlich nicht bieten. Ich wünsche ihm auf jeden Fall Glück und wenn er ein Heim in Deutschland braucht, stehen die Türen bei mir offen.
Wie läuft es generell mit Souljah-Music?
D-Flame: Eigentlich gut. Es ist ziemlich genau ein Jahr vorbei, in dem ich viel gelernt habe und es war eigentlich auch der Zeitraum während dem ich mir gesagt habe das ich keine neuen Acts signen möchte, sondern erst mal bis zum zweiten Album warten um zu sehen was passiert. Ich bin auch mit einigen Leuten in Kontakt aber niemand den ich unbedingt signen muss, da steht erst mal die Musik im Vordergrund. Ich bekomme auch sehr viele Anfragen über Facebook, bei denen aber auch viele Fernanfragen dabei sind oder irgendwelche Pseudo-Castingshow-Teilnehmer aber selbst denen gebe ich eine Antwort und versuche es korrekt zu machen. Um es aber deutlich zu machen: ich suche keine neuen Freunde übers Internet (lacht).
Auf der einen Seite haben die ganzen Web 2.0 Plattformen bestimmt vieles einfacher gemacht aber es gibt auch Kehrseiten.
D-Flame: Ja, aber so was kristallisiert sich ganz schnell raus. Wenn dich jemand anschreibt weil er deine Musik feiert, so kommt die Sprache recht schnell auf einen bestimmten Song oder Album und dann fertig. Derjenige versucht nicht dich in eine längere Konversation zu verwickeln, das sind dann meisten Leute die selbst Künstler sind.
Zum Thema Labelarbeit: vor kurzem hat ja Bozz Music zugemacht, wie hast Du davon erfahren?
D-Flame: Ich habe es relativ früh erfahren, wir sind ja auch musikalische Familie. Es hat mir natürlich weh getan aber leider ist die Indie-Label Situation momentan einfach so, dass du extrem von deinen Käufern abhängig bist, welche aber genau die Zielgruppe ist, die die Songs runterladen und dann ist es klar das es im Endeffekt zu so etwas führt. Gerade letztes Jahr haben Labels ja reihenweise zu gemacht: Optik, Deluxe, Bozz, Aggro. Genau aus diesem Grund habe ich auch versucht alles klein zu halten und selbst damit hat man zu kämpfen. Man kann aber nicht immer die Kids verurteilen, die die Sachen runterladen. Primär geht es um die Industrie, welche einfach nicht darauf reagiert. Es ist heute so vieles möglich aber in Sachen Internetdownloads kommen die nur mit einem Schulterzucken. Ich glaube einfach nicht das die da keinen Riegel vorschieben könnten aber es ist nicht wichtig genug, da es keine große Einnahmequelle darstellt.
Sehr oft ist aber auch gar kein Verständnis für die Zusammenhänge da.
D-Flame: Auf jeden Fall. Ich hatte ein sehr krasses Erlebnis auf der Kölner Musikmesse wo ich von einer großen Internetfirma für einen Auftritt gebucht worden bin. Es hat sich dann herausgestellt das es für Rapidshare war und ich kam mir schon wie ein Riesen-Verräter vor aber da musste ich dann durch. Da ich aber schon ein kleiner Rebell bin, habe ich es einfach auf meine Weise durchgezogen und gesagt „Big up für all die Leute die meine Musik feiern aber kein Respekt für diejenigen die meine Musik runterladen.“ Dann ging ein Raunen durch die Menge, es waren bestimmt 800 bis 1000 Menschen und es wurde kollektiv gerufen „Oh, Du Armer.“ Da denkt man sich dann schon, dass das Verständnis vollkommen fehlt.
Mit der Schließung von Eimsbush hast Du es ja damals am eigenen Leib erfahren müssen, wie es ist ein Label zu schließen. Fällt man danach erst mal in ein großes Loch?
D-Flame: Wenn es um Musik geht, so war ich noch nie in solchen Löchern. Persönlich ist aber jeder mal in so einem Loch, man ist ja nur Mensch. Musikalisch war es für mich immer „Und jetzt erst recht“ und nach Eimsbush hatte ich ja direkt meinen nächsten Deal bei EMI, daher war es auch für mich nicht so dramatisch wie vielleicht für andere. Aber es ist nun mal so, dass wenn ein Garten wächst, auch immer die Gefahr besteht das auch Unkraut mit wächst und wenn Du nicht aufpasst, macht das Unkraut deine schönen Pflanzen kaputt. Ich persönlich weiß aber das ich für das Musik machen geboren bin und das noch was kommen wird, dass große Boom.
Auf dem neuen Jeyz Mixtape „Zeit zum Scheinen“ bist Du unter anderem mit einem Feature vertreten wo mir eine Textstelle im Gedächtnis geblieben ist, in der Du sagst das Du oftmals selbst Dein größtes Hindernis bist, ist das immer noch so?
D-Flame: Generell glaube ich, dass wenn es irgendwelche Hürden im Leben gibt, die man sich meistens selbst aufstellt. Menschen sind sehr gut darin mit dem Finger auf andere zu zeigen und zu sagen das der oder die etwas in deinen Weg gestellt hast aber erst wenn du auch selber an das glaubst, ist es eine Hürde und damit kannst du sie nur selbst errichten. Es wird immer wieder Hürden im Leben geben aber ich hoffe einfach das Gott mir die Kraft gibt sie zu überwinden.
Am Montag bist Du ja auf der X-Mas-Jam hier in Frankfurt zu sehen. Was kann man da erwarten?
D-Flame: Ich freue mich einfach das so was wieder mal in Frankfurt stattfindet, das gab es ja schon länger nicht mehr. Es freut mich auch das so viele Leute dabei sind und Einsatz zeigen. Ich persönlich habe mir länger den Kopf darüber zerbrochen was ich den genau für eine Show abliefere aber da ich schon länger nicht mehr in Frankfurt aufgetreten bin, werde ich einfach mal meine Gassenhauer rausholen (lacht), ein bisschen Spaß haben und freestylen.
Sehr schön, dann danke ich Dir für die Zeit und wünsche Dir viel Spaß auf der X-Mas-Jam und Erfolg mit dem neuen Album.
D-Flame: Alles klar, danke.
Bilder: Souljah Music
Interviewpartner: Andreas Schnell
